2003 „Sticken und Ficken“,
Dokumentarfilm, 15min,
HFF Konrad Wolf,
Buch und Regie: M.A.Wojtyllo
Festivals u.a :
“KunstFilmBiennale 2003“ Köln,
„FilmPolska Festival“ Berlin
Die Protagonistin
Helga Sophia Goetze wäre auf den ersten Blick eigentlich eine ganz normale 81jährige Oma. Sie stickt, malt, singt, schreibt Gedichte und ist Mutter von sieben Kindern.
Doch wer auf Helga trifft wird überrascht.
Seit über 20 Jahren steht sie jeden Tag eine Stunde vor der Gedächtniskirche in Berlin, malt und stickt Penisse und Vaginas in prächtigen Formen und Farben, und organisiert zahlreiche Aktionen zur „Aufklärung“ der Bevölkerung. Sie dichtet in über 2000 lustvoll-philosophischen Texten über die Missstände der Gesellschaft sowie über ihre zahlreichen sexuellen Abenteuer, die sie auch noch in ihrem Alter, mit meist viel jüngeren Partnern, zu haben pflegt.
Ihre akribisch gearbeiteten, esoterisch angehauchten Bildstickereien sind bis zu Zwei Mal zwei Meter groß und füllen mit Hundertschaften gemalter Bilder und Ordner, Helgas Wohnung in Berlin-Charlottenburg.
1973 erschien das Buch „Helga Goetze, Hausfrau der Nation oder Deutschlands Supersau?“ von Volker Ellis Pilgrim.
1982 interviewte sie Rosa von Praunheim in seinem Film „Rote Liebe“. Zitate aus diesem Film sind auch in „Sticken und Ficken“ vorhanden.
Ihre Arbeiten werden von dem Verein „Metropole-Mutterstadt e.V“ einer Gruppe von Freunden und Förderern verwaltet.
Der Film
„Sticken und Ficken“ beschäftigt sich weniger mit den einzelnen Werken Helga Goetzes, als viel mehr mit dem „Gesamt-Kunst-Werk“ ihres Lebens.
Der Film wirft folgende Fragen auf:
Wer ist diese Frau? Wieso hat sie den Drang sich öffentlich so zu präsentieren? Was ist in ihrem „ersten Leben“ als Bilderbuchhausfrau passiert, dass sie mit 50 Jahren ihre Familie und ihre Kinder verlassen hat?
Woher nimmt sie die Kraft sich in ihrem Alter noch von Menschen auf der Straße wegen ihrer „Obszönität“ beschimpfen zu lassen?
Ist sie glücklich in ihrer Rolle als „primäre Tabubrecherin"? Oder sehnt sie sich vielleicht doch nach einem harmonischen Leben mit ihren Kindern und Enkelkindern?
Das Portrait gibt einen kurzen Einblick in das Leben Helgas mit dem subjektiven Blick der Regisseurin wieder, welche in die Welt von Helga Sophia Goetze eingetaucht ist.
Anfangs provokant und für viele fast schon abstoßend, verworren und schwer zugänglich zeigt der Film Eindrücke der Regisseurin von Helgas Leben.
Nur Stück für Stück entdecken wir die Protagonistin und stellen uns letztendlich mit ihr zusammen die Frage: „ Und wer bin ich?“.
